AGUS-Gruppenleiter-Schulungen
TID-Kurse für TrauerbegleiterInnen
andere Kurse

 

Herzlich willkommen auf meiner Homepage!

Auf dieser Homepage finden Sie Informationen zu Einzelbegleitungen, aktuelle Termine für von mir geleitete Trauerseminare und Fortbildungen, und Hinweise auf Bücher, die ich geschrieben habe. Einige Artikel stehen vollständig zu Verfügung und geben Ihnen einen Eindruck von den Grundlagen meiner Arbeit.

Zu mir:

Anfang der neunziger Jahre habe ich die ersten Gruppen und Seminare für Trauernde angeboten, neben meiner damaligen Arbeit im Verlagswesen und dann als Ausstellungsorganisatorin. Aber erst nach einer Fortbildung und  dem Beginn eines Psychologiestudiums habe ich mich 1998 als Trauerbegleiterin selbständig gemacht. Im Jahr 2000 begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem Verein AGUS (Angehörige um Suizid) e.V. mit Sitz in Bayreuth, ich entwickelte eine Reihe von Trauerseminaren für Angehörige nach einem Suizid, die jährlich stattfinden, und biete regelmäßige Schulungen für die ehrenamtlichen LeiterInnen von AGUS-Selbsthilfegruppen an. 2002 wurde ich zur 1. Vorsitzenden des TrauerInstitut Deutschland e.V., Bonn, gewählt, seither ist die Fortbildung von unterschiedlichsten Berufgruppen und von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen vor allem in Hospizen ein wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit geworden. 

Neben der Arbeit in meiner Bonner Praxis für Trauerbegleitung und für die beiden Vereine AGUS e.V. und TID e.V. bin ich für verschiedenste Institutionen als Referentin tätig, z.B. in Palliativ-Care-Kursen an der Mildred-Scheel-Akademie in Köln und am Malteser-Krankenhaus in Bonn, für die Malteser-Akademie in Engelskirchen oder für die westfälische Landeskirche.

Die lebensnahe Begleitung von trauernden Menschen ist für mich verbunden mit großem Interesse an  theoretischen Modellen über das, was im Trauerprozess geschieht und das, was Trauernden helfen kann. Besonders nah sind  mir die "Aufgaben des Trauerns" nach William Worden, vor allem seine Umformulierung der vierten Aufgabe, die uns auffordert, "den Toten einen neuen Platz zu zu weisen". Gut gefällt mir auch die Vorstellung von Dennis Klass über "fortgesetzte Bindungen" zu Verstorbenen. Dem Loslassen stelle ich die Erinnerungskultur zur Seite und ergänze sie mit Robert Neimeyers Ansatz, dass wir im Trauerprozess unsere eigenen Lebensgeschichte, unsere Glaubenssätze und Grundüberzeugungen neu formulieren, bis der erlebte Verlust einen Platz darin gefunden haben, der uns Mut zum Weiterleben gibt.

 

 

Grundgedanken
Etwas von dem, wie ich Trauer und Trauerbegleitung verstehe, habe ich in diesem Text ausgedrückt:

Trauer als Chance zum Leben
Text für die Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Hospiz Stadt Kerpen, ganz besonders für Zenzi Faust, März 2006

Trauern fällt über die meisten her wie ein Unwetter, bringt ihnen Neues, Ungewohntes. Trauern heißt oft, sich selbst nicht wieder erkennen, die Welt nicht mehr kennen, die anderen sind plötzlich anders, anders als bisher, anders als ich. Trauer als das Andere, Fremde, das Gefürchtete. Nur das nicht. Trauer als die dunkle Seite des Lebens. Plötzlich bin ich auf der Schattenseite des Lebens, der Gefühle. Und für die anderen bin ich die Schattenseite, verkörpere alles, was sie für sich nicht möchten. Trauer als Ausschlussgrund.

"Ich bin raus aus dem Lebensspiel" sagt ein Klient zu mir "die anderen beschäftigen sich mit so viel Enge und Unwichtigem, damit habe ich nichts mehr zu tun." Trauern als Rausgefallensein aus dem Rahmen, den die eigene Gedanken und Ziele bisher gesetzt haben. Trauer als Erleben von Haltlosigkeit, der Boden unter den Füßen schwankt, alle alten Gewissheiten sind in Frage gestellt. Wer bin ich? Was ist der Sinn? Alle anderen scheinen sich sicher zu sein.
Trauern heißt einsam sein, allein mitten in der Menge, den Anschluss verloren haben an die selbstverständliche Geschäftigkeit des Alltags. Trauern als Grenzgang. Trauern als Probelauf, was geht, was wäre möglich, was geht noch nicht? Was geht nie wieder? Trauern als Extremsportart bis an die Grenzen der eigenen Kräfte und der fremden Geduld.

Trauern als Chance?
Für wen?
Für mich, für mein Sein, für meine Zukunft, für Ungelebtes, noch nicht Ausprobiertes, für Träume, die zum Leben erwachen, für Ängste, die überwunden sein wollen, für Zuneigung, die noch keinen Ausdruck hat. Für Weisheit? Für Liebe?

Trauern als Chance für die anderen, die Davongekommenen, die in diesem Moment nicht trauern, nicht so stark. Eine Chance sich zu überprüfen, sich vorzubereiten, sich zu beweisen als Freund, als Mitmensch.
Trauern als Chance zu lernen, zu begreifen, Trauer als Aufforderung zur Demut. Und zum Übermut.

Trauerbegleitung als Chance.
Dem Sterben leben geben. Dem Leben mit dem Sterben Lebendigkeit zugestehen, einhauchen und einfach lassen. Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Demut zeigen. Und Übermut. Chancen anbieten, Trauernde begleiten.

Chris Paul, März 2006